"Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Neuigkeiten der Film- und Kinobranche, die nichts oder wenig mit Box Office zu tun haben

"Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Agent K » Dienstag 29. April 2014, 12:15

Jeffrey Katzenberg, CEO von DreamWorks Animation, orakelt über die Zukunft des Kinos:

Variety: Jeffrey Katzenberg Predicts 3-Week Theatrical Window in Future
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Lativ » Dienstag 29. April 2014, 16:32

Dann wird es die Kinobranche nicht mehr geben denn die masse wird sich den besuch schenken wenn er ihn 3 Wochen später für nen 10er auf dem grabbeltisch bei MM und co. hinterhergeworfen bekommt und ihn tausende male dafür sehen kann. Soviel Geduld attestier ich den Leuten einfach mal.

Selbst wenn doch, dann können wir uns auf zahlen einstellen wie wir sie in Tschechien haben, bestenfalls. Schlimmstenfalls wie in Bulgarien.

Persönlich halte ich selbst das 4 Monats Fenster für zu klein, hätte keine Probleme damit auch ein halbes Jahr abzuwarten oder in Ausnahmefällen auch 8-9 mon.
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon ncc5843 » Dienstag 29. April 2014, 19:12

In 10 Jahren wird es wahrscheinlich gar keinen Grabbeltisch mit Silberscheiben mehr geben, da sich das Streaming von Filmen durchsetzen wird (Amazon Prime & Co.), dort werden die genannten 4.00 $ pro Film dann für eine 24h-Lizenz gelten und nicht für 1000mal gucken. Filme auf DVD, BluRay und vielleicht Archival Disc werden in den ersten Monaten nach Kinostart sicherlich nicht zum Schnäppchenpreis angeboten.

Wenn die 3-Wochenend-Regelung kommen sollte, wird es sicherlich zu einem Besucherschwund kommen. Wie auch schon jetzt haben die Kinos die besten Überlebenschancen, zu denen man nicht nur wegen des Films sondern auch wegen des Erlebnisses kommt (sprich guter Service, angenehme Atmosphäre). Und die Leute, die sich einen guten Film für 1.99 auf dem Smartphone angesehen haben, ziehen vielleicht auch eine Zweitsichtung im Kino in Betracht :)
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Agent K » Dienstag 29. April 2014, 20:34

Ich empfinde das nach wie vor als Schnapsidee. Die Verleiher graben sich damit ihr über Dekaden etabliertes Alleinstellungsmerkmal ab, nämlich den über Kinos, Besucherzahlen, und Box Office generierten "Wert" eines Filmes, der dann auch den erzielbaren Preis im Rest der Verwertungskette bestimmt. Werden die Filme erstmal parallel durch verschiedene Medien gleichzeitig gejagt, dann kann man sich nicht nur den Slogan "Kino, dafür wurden Filme gemacht" sparen, sondern man verliert auch die Vergleichbarkeit des Erfolges. Und wenn dann ein Film die Streaming-Top-Ten, ein anderer die Kino-Hitparade, und wieder ein anderer die Verkaufs- bzw. Verleih-Charts anführt, dann ist das so aussagekräftig, wie wenn jede größere Zeitschrift ihre individuelle Bestseller-Liste veröffentlicht...

Es würde ja wohl auch das Ende der kleineren Kinos bedeuten, denn wer dann nicht zum Start sofort eine Kopie erhält, der braucht ihn in der dritten Woche dann auch nicht mehr zu spielen, denn dann ist er für die Kinoauswertung "durch". Und es stärkt die Position der großen Verleiher, denn gerade Arthouse-, Independent-, Sleeper-, oder Langläufer-Filme spielen den Löwenanteil der Einnahmen üblicherweise eben nicht in den ersten zwei Wochen ein. Und wenn es jetzt schon zum Teil ein Hauen und Stechen bei der Disposition gibt, weil natürlich jeder Verleiher die besten und meisten Säle für seinen Film will, dann bin ich mal gespannt wie das dann mit einem Zwei-Wochen-Fenster aussieht... und wie dann der "Nachschub" herangeschafft wird...

Und unter dieser Prämisse wären dann ja auch wohl nur noch weltweite Massenstarts denkbar. Denn wenn ein Film erstmal auf einer Streaming Plattform liegt, dann ist das nicht nur ein gefundenes Fressen für Raubkopierer, sondern auch ein echter "Standortnachteil" für ganze Länder, wenn sich dort der Film z.B. durch Synchronisation im Vergleich zum "Erststart" verzögert. Ist ja jetzt schon so, dass so manche Serie beim TV-Start in Deutschland darunter leidet, dass zumindest ein Teil der potentiellen Zuschauer die Folgen schon mit der Originalausstrahlung im Produktionsland gesehen haben...
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Mark_G » Dienstag 29. April 2014, 20:43

Ich glaube nicht, dass Katzenberg Recht hat... Das mit den 3 Wochenenden mag ja vielleicht kommen, aber die von ihm genannten Preise stimmen bestimmt nicht... Wer einen frischen Kinofilm schon nach 18 Tage zuhause sehen will, der wird zu diesem Zeitpunkt mindestens den Kinoeintrittspreis, wenn nicht sogar mehr zahlen müssen.

Und bei den Kinos wird es dann schlagartig nur noch 2 Konzepte geben können: Die Erstaufführungskinos mit hohen Eintrittspreisen und daneben jede Menge "Dollar Houses", die nach 3 Wochen zu jedem Preis spielen können...
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Mattis » Dienstag 29. April 2014, 20:54

Mal abwarten, ich kann mir auch eine Bar oder eine Bowlingbahn in den Keller bauen...
Macht trotzdem nicht so viel Spaß.
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Armand » Donnerstag 20. April 2017, 23:25

Ein Artikel vom Spiegel über die Verkürzung der Kinoexklusivität zum Filmstart und das Aufkommen der Streamingdienste.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/video-on-demand-stirbt-das-kino-den-tod-durch-ungeduld-a-1143710.html
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Taipan » Freitag 21. April 2017, 06:54

Ich glaube, dass dem Zeitfenster eine zu große Bedeutung beigemessen wird. MMn geht es nur um den Mehrwert, den man sich durch ein entsprechendes Medium erwünscht.

Bis Mitte der 60er Jahre bestand der Mehrwert darin: Willst Du bewegte Bilder sehen, musst Du ins Kino gehen. Dann kam der Fernseher und die Zuschauerzahlen brachen ein.
Bis Mitte/Ende der 80er Jahre bestand der Mehrwert darin: Willst Du Hollywood Filme sehen, musst Du ins Kino gehen. Dann kam der Videorekorder und das Privatfernsehen und die Zuschauerzahlen brachen ein.
Mitte der 90er haben die Kinos dann zurückgeschlagen und bis Mitte der 2000er bestand der Mehrwert darin: Willst Du bombastischen Sound mit THX und 5.1 und tolle Bildqualität, musst Du ins Kino gehen. Dann kam die DVD und das Heimkino und die Erholung der Zuschauerzahlen wurde wieder aufgefressen.
Ende der 2000er wollten die Kinos wieder zurückschlagen und der Mehrwert sollte darin bestehen: Willst Du 3D, musst Du ins Kino gehen. Diese technische Neuerung brachte jedoch nicht den erhofften Mehrwert für die Zuschauer und wurde zusätzlich durch die gleichzeitige Einführung im Home Cinema sowie eine verbraucherunfreundliche Preispolitik wieder aufgefressen.

Nun haben wir die Marktdurchdringung der Streaming Plattformen und weitere bahnbrechende technische Neuerungen, die einen Mehrwert für das Kino bieten könnten, sind erstmal nicht absehbar. Allerdings werden die Streaming Plattformen primär das klassische Fernsehen verdrängen, da die Leute keine Werbung mögen. Die Kinozahlen werden zwar auch wieder ein wenig sinken, aber nicht weil man Filme wie Batman vs Superman, Boss Baby und Transformers schon in ein paar Wochen zuhause gucken kann, sondern weil Game of Thrones, Stranger Things und The Crown mehr Spaß machen.

Star Wars und Dünkirchen wird dann trotzdem im Kino geguckt. Selbst wenn sie zeitgleich bei google play erscheinen. Diese Filme machen dort einfach mehr Spaß.

Und die Moral von der Geschicht: Die Zeit der Massenware Film ist zuende, denn der neue Mehrwert lautet Qualität.
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Mattis » Freitag 21. April 2017, 13:25

Taipan hat geschrieben:
Und die Moral von der Geschicht: Die Zeit der Massenware Film ist zuende, denn der neue Mehrwert lautet Qualität.



Am letzten Wochenende waren 3% aller Deutschen im Kino. Klingt nicht unbedingt nach Ende.
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Taipan » Freitag 21. April 2017, 17:17

Hab jetzt eben mal durchgezählt. Von den ca. 120 Wochenenden bis Anfang 2015 gab es wenn ich richtig gezählt habe 13, an denen mehr als 2 Mio. Menschen im Kino waren. Allein sechs davon entfallen auf Star Wars. Dann noch zwei auf FF, und jeweils eins auf James Bond, Fifty Shades of Grey, FJG2, Deadpool und Panem. Neun der 13 Wochenenden lagen zudem an oder um Feiertage herum (wenn man Valentinstag dazu zählt).

Wäre es jetzt so, dass Streaming Start analog zum Kinostart erfolgen würde, könnten mMn nur Star Wars, James Bond und Fifty Shades einen größeren Teil der Leute im Kino halten, da es sich in diesen Fällen um ein Event handelt.

Deadpool, FJG2 und FF wären ohne den "Ich muss den sofort gucken, damit ich mitreden kann" Faktor klassische "Ich guck lieber zuhause mit n paar Freunden, dann kann ich auch immer zwischendurch aufs Klo, mal eine rauchen und Bier ist auch billiger" Filme. Panem kann ich schwer einschätzen.

Wenn das Zeitfenster fällt -und das ist mMn nur eine Frage der Zeit- wird es eine Konsolidierung des Kinomarktes auf sehr wenige Event- (und hocklassige Arthouse)filme geben. Diese könnten die Studios dann ja sogar mit einem richtig, richtig großen Zeitfenster (zb ein Jahr) bedienen... Oder nur als Kauffilm oder sogar nie auf Homevideo veröffentlichen. Durchschnittsware hätte jedoch keine Chance mehr im Kino.
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Mattis » Freitag 21. April 2017, 17:21

Du unterschätzt den kulturellen Einfluss des Kinos.
Ich kann mir auch eine Bar in den Keller bauen. Die werde ich aber atmosphärisch niemals auf das Niveau einer Bar in der Innenstadt bekommen.
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon arni75 » Freitag 21. April 2017, 17:33

Kommentar aus der aktuellen Blickpunkt:Film, der hier sehr gut paßt:

"Ich habe den Überblick verloren. Und ich denke, ich bin nicht allein. Haben Sie noch im Blick, was neu ist auf Netflix, spannend, sehenswert, interessant? Mit ein bisschen Glück hat man seine Lieblingsserien noch im Auge. Wenn eine neue Staffel von "Better Call Saul" oder "Fargo" an den Start geht, dann stellt sich noch eine gewisse Vorfreude ein. Aber darüber hinaus? Vor nicht einmal drei Jahren war es eine große Sache, als Adam Sandler einen Outputdeal über vier Filme mit Netflix vereinbarte. Seinem ersten Netflix-Film, "The Ridiculous Six", wurde eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt, auch aufgrund der Kontroversen während der Dreharbeiten. Aber haben Sie noch "The Do Over" registriert, Sandlers zweiten Netflix-Film? Oder aktuell "Sandy Wexler", den man in der Angebotsleiste gleich neben der austauschbaren Marvel-Serie "Iron Fist" bestenfalls mit einem Schulterzucken wahrnimmt? Vor zwei Jahren schlug Netflix hohe Wellen mit seinem ersten Filmeinkauf: Es erschien revolutionär, dass ausgerechnet ein Filmemacher wie Cary Fukunaga seinen neuen Film, "Beasts of No Nation", lieber an Netflix gab als an einen der tradierten Filmverleiher: Beflügelt von Festivalauftritten in Venedig und Toronto, war der Film ein kleines Event, als ihn Netflix weltweit zum Streaming freigab - auch wenn niemand sagen kann, ob er auf Interesse stieß, weil Netflix keine Quoten bekannt gibt. So wenig Einspielergebnisse über die Qualität eines Filmes aussagen, so sehr sind sie doch eine Referenz dafür, dass er ein Leben hatte. Netflix dagegen schluckt seine Filme. Haben Sie sehenswerte Netflix-Filme wie "The Fundamentals of Caring" wahrgenommen? Oder den Umstand, dass man den diesjährigen Sundance-Gewinner "I Don't Feel at Home in This World Anymore" bereits wenige Wochen nach dem Festival streamen konnte? In einem Essay auf Indiewire vertritt David Ehrlich die These, dass es noch nicht einmal eine Rolle spielt, wenn man die Filme wahrnimmt: Das Umfeld, in denen man sie auswählt und ansieht, sorgten dafür, dass man ihnen ohnehin nie die Aufmerksamkeit schenkte, als wenn man sie auf der großen Leinwand sähe: "Ist ein Film wirklich noch ein Film, wenn er seine Premiere auf Netflix hatte?", fragt er. Nun verfolgt Netflix ein neuartiges Geschäftsmodell: Solange die Abonnentenzahlen gesteigert werden können, spielt es keine Rolle, wie viele Menschen sich einen einzelnen Titel ansehen. Gleichwohl ist wohl auch Contentchef Ted Sarandos bewusst, dass Netflix ein Problem hat, wenn das für fünf Mrd. Dollar im Jahr produzierte oder eingekaufte Produkt nur noch als großes weißes Rauschens wahrgenommen wird. Wenn das Produkt selbst keinen Wert mehr darstellt, seine Inhalte keine Rolle mehr spielen, dann sehen wir tristen Zeiten entgegen. Oder macht es Amazon mit seiner klassischen Auswertung zuerst im Kino nicht doch einfach besser?

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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Taipan » Freitag 21. April 2017, 17:37

Aber Bars haben auch nicht seit den 60er Jahren 80 % ihrer Kunden verloren. Ich würde vermuten, dass da ungefähr noch die gleiche Anzahl an Leuten hingeht wie damals. Bei den Kinos ist das jedoch anders. Ich spreche den Kinos ja gar nicht ihren kulturellen Einfluss zu, aber der ist mMn nicht so hoch wie von Dir skizziert (siehe vorstehende Rechnung).
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Re: "Nur im Kino" für 3 Wochenenden...

Beitragvon Taipan » Freitag 21. April 2017, 18:14

Weiß nicht. Dem Kommentar muss ich aber deutlich widersprechen (in rot gekennzeichnet):

arni75 hat geschrieben:Kommentar aus der aktuellen Blickpunkt:Film, der hier sehr gut paßt:

"Ich habe den Überblick verloren. Und ich denke, ich bin nicht allein. Haben Sie noch im Blick, was neu ist auf Netflix, spannend, sehenswert, interessant?
Ja habe ich. Genauso wie beim Kino. Indem ich beworben werde und mich selbst aktiv informiere, sowohl im Internet als auch durch klassisches echtes Word-Of-Mouth im Reallife. Zusätzlich habe ich bei Netflix den Vorteil, dass ich Gesehenes bewerten kann und dadurch das Beworbene mit höherer Wahrscheinlichkeit zu mir passt. Das setze ich dann auf meine Watch List und gucke davon je nach Stimmung etwas was gerade passt

Mit ein bisschen Glück hat man seine Lieblingsserien noch im Auge. Wenn eine neue Staffel von "Better Call Saul" oder "Fargo" an den Start geht, dann stellt sich noch eine gewisse Vorfreude ein.
Ist doch schön für ihn wenn was dabei ist, was ihm gefällt.... Und?... Würde er sich für sieben Euro pro Folge die Serien im Kino angucken? (plus natürlich nochmal sieben Euro für jeden, der oder die die Serie mit ihm zusammen guckt)

Aber darüber hinaus? Vor nicht einmal drei Jahren war es eine große Sache, als Adam Sandler einen Outputdeal über vier Filme mit Netflix vereinbarte. Seinem ersten Netflix-Film, "The Ridiculous Six", wurde eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt, auch aufgrund der Kontroversen während der Dreharbeiten. Aber haben Sie noch "The Do Over" registriert, Sandlers zweiten Netflix-Film? Oder aktuell "Sandy Wexler", den man in der Angebotsleiste gleich neben der austauschbaren Marvel-Serie "Iron Fist" bestenfalls mit einem Schulterzucken wahrnimmt?
Nein habe ich nicht. Aber das gilt genauso für die sechs bis acht Adam Sandler Filme, die davor mit ihm im Kino liefen. Ich denke jedoch, dass die Antwort im Süden der USA anders ausfallen würde (sowohl auf Kino als auch auf Netflix bezogen)

Vor zwei Jahren schlug Netflix hohe Wellen mit seinem ersten Filmeinkauf: Es erschien revolutionär, dass ausgerechnet ein Filmemacher wie Cary Fukunaga seinen neuen Film, "Beasts of No Nation", lieber an Netflix gab als an einen der tradierten Filmverleiher: Beflügelt von Festivalauftritten in Venedig und Toronto, war der Film ein kleines Event, als ihn Netflix weltweit zum Streaming freigab - auch wenn niemand sagen kann, ob er auf Interesse stieß, weil Netflix keine Quoten bekannt gibt. So wenig Einspielergebnisse über die Qualität eines Filmes aussagen, so sehr sind sie doch eine Referenz dafür, dass er ein Leben hatte. Netflix dagegen schluckt seine Filme. Haben Sie sehenswerte Netflix-Filme wie "The Fundamentals of Caring" wahrgenommen? Oder den Umstand, dass man den diesjährigen Sundance-Gewinner "I Don't Feel at Home in This World Anymore" bereits wenige Wochen nach dem Festival streamen konnte?
Nein habe ich nicht. Hätte ich aber auch nicht, wenn sie im Kino gelaufen wären. Auf Netflix haben Sie bestimmt mehr Zuschauer gehabt als im Kino (Anmerkung: Wenn Herr Schultze ohne Kenntnisse der Quoten argumentiert, kann ich das schon lange ;) )

In einem Essay auf Indiewire vertritt David Ehrlich die These, dass es noch nicht einmal eine Rolle spielt, wenn man die Filme wahrnimmt: Das Umfeld, in denen man sie auswählt und ansieht, sorgten dafür, dass man ihnen ohnehin nie die Aufmerksamkeit schenkte, als wenn man sie auf der großen Leinwand sähe: "Ist ein Film wirklich noch ein Film, wenn er seine Premiere auf Netflix hatte?", fragt er.
Äh nein. Falsch. Die OT Krieg der Sterne Filme sind meine absoluten Lieblingsfilme. Hab sie aber erst auf VHS kennen gelernt. Genauso wie andere meiner All Time Classics (Der Pate, Braveheart, Indiana Jones, etc). Zusätzlich gibt es Filme, die ich zwar im Kino geguckt habe, die jedoch erst bei Sichtungen zuhause gewachsen sind

Nun verfolgt Netflix ein neuartiges Geschäftsmodell: Solange die Abonnentenzahlen gesteigert werden können, spielt es keine Rolle, wie viele Menschen sich einen einzelnen Titel ansehen.
Also genauso wie im Kino oder nicht?

Gleichwohl ist wohl auch Contentchef Ted Sarandos bewusst, dass Netflix ein Problem hat, wenn das für fünf Mrd. Dollar im Jahr produzierte oder eingekaufte Produkt nur noch als großes weißes Rauschens wahrgenommen wird. Wenn das Produkt selbst keinen Wert mehr darstellt, seine Inhalte keine Rolle mehr spielen, dann sehen wir tristen Zeiten entgegen. Oder macht es Amazon mit seiner klassischen Auswertung zuerst im Kino nicht doch einfach besser?
Erster Teil ist vollkommen richtig, aber ich verstehe irgendwie nicht so richtig wie eine Erstauswertung im Kino die Qualität eines Films steigert :ponder:

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